| Weiberroman - Expose | ||||||||
| Versteht sich von
selbst, daß ein "Weiberroman" aus
Liebesgeschichten besteht, daß es darin um unerfüllte
Sehnsüchte, erotische Obsessionen und das Klein-Klein
des Beziehungsalltags gehen muß, um Spielen und
Gespielt-Werden, um Angst, Frustration und Kalkül. Trotzdem erzählt dieser Roman vor allem die - bruchstückhaft überlieferte - Lebensgeschichte eines 78ers, erzählt von der Zeit zwischen 1972 und 1989, in der natürlich nicht bloß auf der "Beziehungsebene" eine ganze Menge passiert. Sondern "auch sonst" - doch Achtung: Dies ist nicht der "große Zeitroman", der in regelmäßigen Abständen von gewissen Feuilletons eingeklagt wird, obwohl in ihm Studentendemos, Stammheim, Fall der Mauer und ähnliche Stationen der bundesrepublikanischen Geschichte durchaus präsent sind. Aber nur als Folie; denn die 78er-Generation, die hier fast sämtliche Hauptfiguren stellt, definiert sich meiner Meinung nach nicht mehr primär über zeitgeschichtliche "Generationserfahrungen" oder gar gemeinsame Gesellschaftsutopien (wie die 68er), sondern über einen ausgeprägten Individualismus, der gleichwohl zu "typischen" Ausprägungen führen kann... Kernstück des Romans ist ein Roman
- ein "Weiberroman" - , über dessen
Niederschrift Gregor Schattschneider, ein
Möchtegern-Literat und im Grunde eine verkrachte
Existenz, schließlich zusammenbricht - sein einziger
Text, und nicht zuletzt deshalb bemüht sich der
Germanist Eckart Beinhofer, aus den Teilen ein Ganzes zu
machen: Zwar liegen Schattschneiders Aufzeichnungen nur
in zahlreichen ungeordneten Fragmenten vor, z.
T.
sogar
in der Kürzelsprache privater Notizen und Rohentwürfe,
sind in sich widersprüchlich und stilistisch sehr
heterogen; andrerseits ist Beinhofers mit dem Verfasser
ein Leben lang befreundet gewesen und kennt dessen
komplettes literarisches Personal aus dem konkreten
Leben.
So gelingt es ihm auch - nicht ohne den Text
dadurch grundlegend zu überarbeiten -, die zentralen
Stationen von Schattschneiders kaum verkappter
Autobiographie wenigstens in drei (scheinbar)
abgeschlossenen Geschichte festzuhalten:
Herausgeben werden
diese (als Fragmentsammlung "überlieferte")
Fallstudien von Schattschneiders Freund Eckart Beinhofer,
einem Germanisten -, er ordnet den Text, kommentiert ihn
und versieht ihn mit einem historisch-kristischen Apparat
(Schattschneiders Lebenslauf, Veröffentlichungen zu
Lebzeiten, Zeugnisse und Materalien, Editorischer
Bericht: incl.
Anmerkungen etwa Seite 50), der
alles andre als wissenschaftlich korrekt ist.
Da
Beinhofer auch als eine (relativ zentrale) Figur in
Schattschneiders "Weiberroman" auftaucht, liegt
der Verdacht nahe, daß er den Text nicht nur
gewissenhaft ediert, sondern an gewissen Stellen
regelrecht redigiert, ja in ihn eingegriffen hat -
freilich nicht durch Schwärzungen (die sich an
sogenannten "Stellen" des Romans finden): Diese
wurden, sehr zum Ärger des Herausgebers, bereits von
Schattschneider selber vorgenommen, da eine Schwärzung
seiner Meinung nach inzwischen wieder größeren Reiz auf
den Leser ausübt als die unverblümte Beschreibung und
Benennung erotischer Details. |
||||||||