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  Matthias Politycki - Weiberroman
 
   
  Drei Frauen, drei Städte, drei Lebensalter: die 70er und 80er Jahre als Liebesgeschichte. Weiberroman, sagt Polityckis Romanheld Gregor Schattschneider großspurig und kleinlaut und erzählt sich, Kopf und Kragen riskierend, mitten hinein in die Frage, die die Gemüter der Liebenden und Geliebten seit je bewegt, irritierend, fasziniert: Warum es so aberwitzig wunderbar und schrecklich zugeht zwischen den Männern und Frauen.

  Expose
  Kristina


Sie müssen von jeder Generation immer wieder neu erzählt werden, die Liebesgeschichten, und zwar dringend. Zum Beispiel die von Gregor Schattschneider, dem 17jährigen "Vollromantiker", der die blonde Kristina aus der Foto-AG anhimmelt und nicht wahrhaben will, daß die ganze Kleinstadt in das Mädchen mit der blitzenden Zahnspange verliebt ist. Oder die des Teilzeitstudenten Schattschneider in Wien, der sich lieber in Teufels Küche begibt, als der in jeder Hinsicht entwaffnend direkten Tania zuzugeben, wie sehr er sie mag, nein: liebt, nein: viel mehr noch. Oder die das Mittdreißigers Schattschneider in Stuttgart, der die schöne, deneuve-hafte Katarina verehrt und bewundert, aber das Begehren verlernt, sobald das Zusammenleben mit ihr das Gewohnte, das Gewöhnliche geworden ist.

Gemeinsam ist den drei Liebesgeschichten nur eines: sie gehen noch übler aus als von Schattschneider befürchtet. In schönstem Selbstbetrug schreibt er sie um, seine Katastrophen, und wir, die Leser, durchschauen seinen Arbeitstitel Weiberroman nicht nur als Maskerade, sondern merken sehr bald, was Schattschneider nicht bemerken wollte oder konnte: wie sehr sich dieser Selbstverhinderer vor seinem Glück versteckt, wie sehr er gelebt und geliebt hat, trotz allem.

Schattschneiders Geschichte ist, von ihm ganz und gar unbeabsichtigt, immer auch Zeitgeschichte und erzählt – mal staunend, mal ironisch – von Ostpolitik bis Mauerfall, von Schlaghosen bis Kefir-Diät, von dem, was uns umgetrieben hat in den "goldenen" 70er und 80er Jahren. Darüber hinaus lesen wir seine Aufzeichnungen mit dreifachen Vergnügen: als Buch der Liebesumwege, als Hommage an drei Frauen und als Roman einer Epoche, in dem die Stimmungen und Moden, die Musik, die Illusionen und Aufbrüche zum Greifen nah sind.