O-

 

Romanschnipsel  (Stand: 20. März 99)

RomanschnipselRomanschnipselRomanschnipselRomanschnipselRomanschnipselRomanschnipselRomanschnipselRomanschnipsel
Schnipsel 09,a1 (Anfang) Wenige Tage, nachdem ein ICE-Zug in voller Fahrt gegen eine Brücke gefahren war, irgendwo oben im Norden, …
(Anm.: nicht etwa im Juni 1996, sondern am 3.6.1998: Eschede, 101 Tote): Benzon + Mutter
Gregor bewundert Benzons Mutter, wie sie - mit einem einzigen kurzen Wegschlenkern des angerollten Teppichendes - die Fransen ausrichtet am Schluß der "Sitzung" - LEITMOTIV (Gregor probiert’s, sobald er allein ist, auch mal: vergeblich; Benzon übernimmt die Technik).
09,a1 An diesem Mittwoch geschahs, daß es zur vereinbarten Zeit klingelte: und dann nicht etwa Benzon & Hedges vor der Tür standen, sondern Benzon und - seine Mutter, eine kleine verhutzelte Greisin, die Gregor fast wie einen Besuch hereinbitten und ihr Kaffee, zumindest einen Sitzplatz anbieten wollte; aber nein! Zusammen mit ihrem Sohn durchtobte sie die Wohnung, die anschließend an Stellen glänzte, wo Gregor gar keinen Glanz für möglich gehalten;
beide, Mutter und Sohn, in unendlichem Geschnatter, die Mutter kommandiert ihren Sohn unters Sofa etc.; Gregor verbarrikadiert sich anfangs in der Küche, bis er auch dort rausfliegt.
Das geht drei Monate lang so. Dann, von einer Woche zur nächsten, war sie wieder verschwunden, die Mutter (s. 15,d)
09,a2 Gregor verstaut alle Pullis einzeln in Plastiktüten
09,a2 Gregors konstant unlässige Ungelassenheit
09,a2 Juni - Ozonwarnungen im Radio: Aber Gregor macht trotzdem seine Dauerläufe durch den Engl. Garten;
Abendliches Gewitter kann der Hitze nichts anhaben;
8.6.: Boxkampf Michalszewski - Franzose
09,a2/a3 Juni - EM; Gregor schaut sich die Spiele am liebsten in der "Sieben" an:
9.6. Dtl. - Tschechien 2:0
16.6. Dtl. - Rußl. 3:0
19.6. Dtl. - Italien 0:0
09,a3 1996: heißer Sommer?
09,a3 Anruf von Frau Schattschneider und wenig später auch von Tante Eusebia: Gregors Vater habe seine Bypass-Operation sehr gut überstanden - komisch, daß man ihm von der ganzen Sache erste hinterher erzählte …;
wahrscheinlich deshalb: weil’s unweigerlich dahinging …
09,a3 Beherzt klickte sich Gregor an allen Cookies und xxx und sonstigen Unverständlichkeiten vorbei durchs Netz; bald war in seinen Preferences der Teufel los und Ulf mußte rüberkommen, auf einen Bierdosenabend "unter Männern", um das Gröbste zu richten.
Leider ergriff Ulf schon nach wenigen Minuten die Maus und ließ sie nicht mehr los, klickte hier, klickte dort, und immer hatte er schon alles weggelöscht, bevor er dazu ein paar halbherzig hingenuschelte Erklärungen gab. Wenn er sich nicht sowieso auf sein "Laß mal, ist besser so, das kriegst du mit der Zeit dann auch schon mit" beschränkte.
Zwar war der Ordner mit den Preferences anschließend nur noch halb so fett, dafür ließ sich der Norton Commander plötzlich nicht mehr booten, und Gregor fragte sich, ob man solche ulfschen Draufloswurstelfreaks überhaupt an die eigne Festplatte ranlassen durfte.
Yahoo-Suchlauf "Beinhofer" bringt eine Erfolgsmeldung:
Auf der Homepage von "Germanistik" eine Besprechung von Eckis Briefausgabe Robert Gernhardt/Katarina Bühler (7 Bd. inzw.- vgl. Wr.).
09,a3 Fisch-Nacht, Fahrrad-Nacht, Junggesellenversteigerung im "Roxy", trotzdem kamen immer weniger, "Null Motto-Nacht", "Null Bock-Nacht", "Alles wird gut-Nacht", "Geht’s noch-Nacht", "Housefrauen-Nacht"… Und nichts wurde gut, von einem Tag zum andern waren die Scheiben mit braunem Packpapier verklebt und hinter der Eingangstür ein Schild: Hier eröffnet demnächst "Broker’s Bier Börse usw.".
09,a3 Gregor hatte sich auf Stand-by geschaltet - irgendein Tastendruck der Außenwelt würde genügen, um ihn wieder voll anspringen zu lassen.
09,a3 Gregor tümpelte in Gedankengefühlen.
So saß er denn, gedankenlos denkend.
09,a3 Im Frisuren-Schachterl ließ er sich seine Haare auf ein Millimeter runterscheren: Nun hab ich einen Fastfreund, eine Fastfreundin, eine Fastglatze usw.
09,a3 Manchmal gingen früh die Vorhänge nicht auf - dann ließ sie Gregor zu und hielt das aus. Jedenfalls bis es Zeit war zu imbissen.
09,a3 Marietta, so hörte man, befand sich auf einer Ayurveda-Kur in Ceylon, und sorgte wahrscheinlich dort dafür, daß …
Max: Ob er sich denn schon in sie verliebt habe?
Gregor: Ob das in diesem Alter denn noch ginge?
Max: Naja, vielleicht nicht mehr als das ganz große Ding … aber … vielleicht als ‘ne Art Indiz für ‘ne neue erotische Obsession.
Gregor: Erotische Obsession - ausgerechnet bei Marietta?
Max: Und in unserm abgeklärten Alter!
(beide lachen)
09,a3 Max’ Mitteilungen über Marietta.
Gregor wußte nicht, ob er darüber glücklich sein sollte oder unglücklich, und selbst wenn er’s gewußt hätte, dann wäre ihm noch längst nicht klar gewesen, ob er unglücklich sein sollte oder todunglücklich.
09,a3 unser digitales Gewissen
09,a5 (und 20,a?) Der Hit bei den BierBrokern allerdings war eine blaue Limonade mit dem Namen Viagra (Anm.: Sommer ‘98; Pfitzer usw., "die Pille für den Mann"), und immer wenn ein "Crash" am Tresen eingeläutet wurde und die Preise auf der Anzeigetafel tatsächlich drastisch fielen, …
09,a5 Auch die "Bier Börse" wollte nicht auf einen Gehsteighüter verzichten, dessen Aufgabe es war, mißliebige Gäste gar nicht erst an den Tischen, die draußen vor dem Lokal standen, Platz nehmen zu lassen.
09,a5 Blaue Mineralwasserflaschen, die in Restmünchen mittlerweile zum schicken Ton gehörten, gab’s aber nicht.
09,a5 gelbrot gebürstete Wände, das übliche Terracotta-Lebensgefühl-Imitat neuerdings, Hallo-wir-sind-schon-fast-am-Mittelmeer
09,a5 Zur Eröffnung gab’s Bananenweißbier (Anm. Hefeweizen mit einem Schuß Bananensaft, eine Art Münchner Weiße mit Schuß, gelb bzw. sehrgelb).
Plötzlich erscholl ein durchdringendes Gekreische aus verschiednen Ecken der "Börse", schrille pavianartige Laute der allgemeinen Aufregung, die gesamte Lokalität verwandelte sich für ein paar Sekunden in einen Zoo: Crash.
Rennende Kellner, der Barkeeper und seine Glocke.
09,b1 erste Love-Parade: 1988
09,b1 Gregor fragt Horst: Er sei doch über vierzig?
Horst: Locker, Mann.
Gregor: Und? Ob er schon mal bei ‘ner Vorsorgeuntersuchung -
Horst: Das sei doch nur was für Frauen und halbe Portionen.
"Ich zeig dir mal was, Jungchen"
Horst zeigt seine (deftige) neue Tätowierung und, auf der untätowierten Haut, was er sich in den nächsten Monaten noch alles dort hintätowieren lassen möchte. Ob Gregor nicht Lust habe mitzugehen?
Also ging Gregor mit.
09,b2 Gregor erkennt im Tätowierer "Groggo" einen der Würfler aus der "Sieben" - und hütet sich, ihn darauf anzusprechen; und auch der Tätowierer tat so, als sei Gregor nichts als einer, der eben-mal-so mit Horst mitgekommen war um zuzugucken.
09,b2 Tätowierladen: keine von diesen ratternden Nähmaschinen (die "Gun"), sondern Handarbeit - ein Elfenbeinstichel; ein Räucherfäßchen in Reichweite; die Rückenpartie wird ohne Eile rasiert, desinfiziert, mit einer Salbe bestrichen - und los.
Fast der ganze Rücken ist schon bearbeitet - Gregor "liest" ihn als Geschichtensammlung;
Heimweg.
Horst macht sich daran, den Verband abzuziehen, obwohl er eigentlich 10 Stunden hätte draufbleiben sollen: dünne Schorfschicht auf der Haut, löst sie mit warmem Wasser ab und trägt seine Heilsalbe auf:
"Woaßt, wenn a Tattoo wos wern soi, donn derfst as ned austrocknen lossn"
Gregor: aber den Schorf abkratzen, das dürfe man doch sicher auch nicht.
Horst: Das Leben sei zu kurz, als daß man immer warten könne, bis der Schorf von alleine abfällt.
Einladung für den morgigen Grand Prix.
09,b2 ?? Gregors Rülps: ein bißchen Land kam zwar mit, trotzdem herrschte auf der anderen Seite der Wand großes Schweigen, dann …
"Zimmerherr"
09,b3 13,b: ein Knoblauch-Schnaps aus Emmendingen (bei Horst oder Marietta)
09,c1 Alicja in weißen Jeans, in weißer Weste, brauner Haut, sie leerte drei Eisbecher #"Tropicana"# und: stellte dabei keine einzige dieser Bist-du-in-der-Zwischenzeit-auch-schön-sauber-geblieben-Fragen. Sondern erzählte, lachte, freute sich, wieder da zu sein.
Alicja graut’s vor den "Schweineboxen":
Wer weiß, was die da drin dann alles anstellen, während ich tanze - so ‘ne richtige Peepshow wahrscheinlich, bloß ohne Glaswand.
Alicja: trinkt heißen Amaretto mit Sahne.
Der Kellner (mit Goldschlips) verabschiedet sich von ihr mit Handkuß: "Du ewig Lächelnde"
09,c1 Alicjas Mitbringsel: eine Brillenablage aus koloriertem Ton, d.h. daß es sich um ein durchaus praktisches Geschenk handeln sollte, fiel zunächst nicht weiter auf - schließlich saß direkt neben dieser Ablage, saß als deren nördliche Begrenzung und auf einer kleinen Bank aus Ton: ein kleiner Mann und angelte. Angelte in der Brillenablage, wo sonst, die vor ihm als eine Art Miniatursee lag, als eine Art brillengroßer Miniatursee, blau koloriert. Und dahinein also, so durchfuhrs Gregor, dahinein sollte er in Zukunft seine alte, seine geliebte Nickelbrille legen.
09,c2 Alicja: Leider hielt sie den Rhythmus noch immer nicht;
09,c2 Horst/Ulf laden Gregor ein, mit ihnen den Grand Prix d’Eurovision anzusehen (Anm.: 1998!): Länderschnittchen, Aufkreischen bei der israelischen Transe, ein konkurrenzlos schlechter Meister …
Sie sitzen unter: einem Stickrahmen, zum Großteil verdeckt, aus dessen Teilansicht man bereits auf eine Riesensauerei zu schließen hatte
09,c3 Alicja: Plötzlich kam ihm ihr Parfum, ihr Make-up, ihr ganzes russisches So-Sein viel zu laut vor, viel zu direkt.
Selbst die Gnade ihres hohen Absatzes strahlte kaum höher als bis zur Kniekehle, schon auf halber Höhe des Oberschenkels hatte man völlig vergessen, wie gefährlich ihr Bein ursprünglich begonnen hatte.
09,c3 Alicjas Sektschale war von ihr nur benippt worden; und Gregor brachte’s nicht über sich, all den Sekt, der ja schließlich mit fünfzig Mark von ihrem Anbaggerer bezahlt worden war, stehenzulassen: Bevor er ging, drehte er sich schnell um, ob auch keiner hersah, dann kippte er den Sekt in einem Zug hinunter.
09,c3 Das also waren die Schweineboxen/Schmuddelboxen, von denen Alicja erzählt hatte!
Er fragt Erykah, was sich "da drin" abspielt.
Sie, lacht: Schau doch selber mal rein, Bubi.
09,c3 Das Laszive, das Dämmrigdunstige der alten "Nonne" war völlig weg; statt dessen gab’s hier jetzt Laserstrahler, gab’s … und … und summa summarum so was wie ein verschärftes Fitness-Studio, auf dessen diversen Bühnen man verschäfte Aerobictänze aufführte.
Die neue Thekentante, die weiß-Gott mit der alten Schlampe nicht zu verwechseln ging, war vor allem damit beschäftigt, ihre Glitzerwäsche zu zeigen; mit dem Bierezapfen tat sie sich schwer:
"Ein Weißbier braucht nun mal sechs Minuten", fauchte sie Gregor an, der diesen Spruch später, als er mit Marietta um die Wette Sprüche klopfte, noch gut verwenden konnte ("Ein Weißbrot braucht nun mal …"; "Ein Pils dagegen …").
09,c3 Die Neue: Ihre Silikonbrüste kamen ihm wie zwei Autoscheinwerfer entgegen.
Eine streckte dauernd ihre Zunge raus, um zu zeigen, daß ihr an deren Spitze eine Perle reingebohrt und sie also gefährlich war; eine andre steckte zur Gänze in einem hautengen schwarzen Lackanzug; die dritte trug einen geschliffnen Stein im Bauchnabel.
Max würde sie wahrscheinlich alle, bis zum Erweis des Gegenteils, als Kingsize-Girls bezeichnen.
09,c3 Erykah zu "Männer über 40": "Senile Bettflucht, Bubi." Spätestens mit 45 würde Gregor begreifen, was das heißt.
09,c3 Gregors erster Besuch im "Pussycat":
Es begann mit dem Schemen einer Frau, der ein paar Meter hinterm Eingang eindeutigen Wippbewegungen nachging, freilich hinter Gittern, begann mit 15 Mark, die man als Eintritt zu entrichten hatte, und Gregors Beteuerungen, er sei nicht etwa nur Stammkunde, sondern gehöre gewissermaßen "zum Haus", konnten das nicht verhindern. Im Gegenteil, auch seine Jeansjacke hatte er abzugeben - "Hausordnung, sorry" (Sakkos dürfen anbehalten werden) -, statt dessen wurde ihm ein Bündel Dollarscheine (Euros?) unter die Nase gehalten, auf deren Mitte eine pralle Frau prangte.
Gregor, vom Willen zur guten Laune beseelt: "Ich steh auf Mark, sorry" …
Da, wo in der "Nonne" eine rotglühende Theke gestanden hatte, direkt neben dem Eingang, war jetzt die Diskothek, und dort, wo die Bühne gewesen war, war jetzt - auch weiterhin die Bühne, aber was für eine! Fett in ihrer Mitte stand bzw. drehte sich eine Harley Davidson um die eigne Achse, ein gewaltiges Tier aus Stahl und Kraft, an dessen metallnem Panzer die unablässig anprasselnden Lanzen der Lichtorgel bunt zerblitzten und auf dessen Sitzpolster gerade eine Frau Kerze machte, so daß Gregor nichts als ihre Beine sah und die silbernen - ja: silbernen! - Stiefel, mit deren Spitzen sie ihm zuwinkte; eine Bühne mit mehreren Stangen und einem schwarzen Ledersofa, einer Bühne, auf der … ansonsten zwar gerade gar nichts weiter geschah: Aber es reichte doch immerhin für Gregor, daß er sich erst mal an die Theke flüchtete, die der Länge nach den Raum durchlief, und auch den Rest des Abends damit beschäftigt war, die Welt nicht mehr zu verstehen.
Denn: überall standen kreisrunde Tische, umlagert von erwartungsfrohen Trinkern, die ihre Gläser auf eine Art zweite Ebene, auf eine Art tiefergelegte Ablage stellten, die rund um den Tisch lief. Denn: der Tisch selbst war Besserem vorbehalten als Bierflaschen, ständig waren die Frauen, die an allen strategischen Punkten des Raumes gleichzeitig - gleichzeitig! - tanzten, auf der Bühne, inmitten der Theke (auf einem rotgestrichnen Schwebebalken), in kleinen halboffnen Käfigen, wo sie mitunter sich an den Stangen hochzogen oder festhielten, um die Beine übern Kopf zu schwingen … ständig waren die Frauen, die Gregor mit Ausnahme von Erykah und, natürlich, von Alicja allesamt nicht kannte, waren damit beschäftigt, ihren Ort zu wechseln, und nicht selten passierte’s, daß eine von ihnen, unterm Gejohle der Trinker, auf einen dieser ominösen Tisch stieg und - Gregor bestellte sich schnell ein zweites Bier.
An der Theke war man einigermaßen sicher, animiert wurde im "Pussycat" also nicht mehr, statt dessen steckte man auch hier den Tänzerinnen laufend Dollarscheine ins Strumpfband, in den Slip, den Stiefelschaft, unter ein Riemchen der Sandaletten; einmal sogar mußte Gregor sehen, wie sich ein Mann seinen Dollarschein in den Mund schob und den Rest des Scheins … in den Mund von Alicja: Gregor bestellte sich ein drittes Bier und verstand die Welt nicht mehr.
Aber wenn er gewußt hätte, daß er hier für 0,3 Liter 7,50 Mark zu bezahlen hatte, wahrscheinlich wäre er dann gleich gegangen.

Statt sich acht dieser Babybiere
in den verwirrten Kopf zu gießen und am Ende noch nicht mal zu wissen, was es mit den merkwürdigen Separées auf sich hatte, in die sich die Tänzerinnen mitunter zurückzogen - kojenartige Separées im entlegensten Teil des Raumes, vergleichbar vielleicht den Kojen in öffentlichen Toiletten, nur eben mit dem Unterschied, daß aus diesen hier, wenn man lang genug hinschaute, manchmal ein Frauenkopf ragte, eine Frauenschulter, ein kompletter Oberkörper, und sich hin & her wiegte … Anscheinend tanzten sie dort weiter, begleitet von höchst dubiosen Figuren, die nichts mehr mit den Barbesuchern zu tun hatten, wie man sie von der "Nonne" kannte. Nein, Schlipse trugen sie, Zigarillos rauchten sie, mit Dollarscheinen pflasterten sie sich den Weg zum Glück; und Gregor beschloß, am nächsten Abend wiederzukommen. (aber da trifft er sich in der "Börse", 9,d)
09,c3 Mandeläugigkeiten waren auch darunter.
09,c3 Und zu Alicjas Nummer lief immer noch "Verpiß dich" oder "Sie ist weg", obwohl das jetzt gar nicht mehr paßte;
Ihr Blick und die Lippen, die den Text mitflüstern
09,c3 "Nonnen"-Weisheiten des Abends: "Wir hier in Deutschland brauchen ‘ne demokratische Diktatur."
09,c3 "Pussycat": Jetzt kostete es bereits 30 DM, um überhaupt reinzukommen. Drinnen fehlten: Ulla, Helga und auch all die andern Schwabbeltanten, die sich während ihres Strips gern auf einem kleinen Hocker niedergelassen und eine Zigarette gerauchte hatten.
Erykah, Alicja.
Auch die Neue entdeckte Gregor unter all den Neuen: die Neue, die früher wie ein Pferd über die Bühne gestampft war in ihrem Silberkleid und jetzt - ein Silberband trug, ein einziges langes Silberband, mit dem sie sich von den Fesseln bis zu den Schultern so geschickt eingewickelt hatte, daß sie laufend an irgendwelche Tische gebeten wurde, um sich dort wieder auszuwickeln. (Liljana?)
Wummernde Bässe, Schlagzeugmaschine, dunkle Versprechungen ("This is the beginning"), plötzlich aufkreischende Leopardenstimmen, Tempo.
Wahrscheinlich hatten sie nicht mal die alten "Nonnen"-Bretter wegrenoviert, trotzdem war von der Neuen nichts zu hören, schon gar nichts Pferdemäßiges, wie sie da …
(Ihre Entwickelungsorgie)
09,d (Schluß) Gregor findet in seiner Mailbox ein Serien-Glücksmail, Thema "Ich habe Glück dringend nötig" - Zit. - schickt es an … Marietta?
09,d Den Poldi mußte man durch Masse neutralisieren, dann war er leidlich zu ertragen ein Mal im Monat.
09,d Der Poldi habe sich im Verlauf des (Salon-)Abends als Vertreter der neuen deutschen Freundlichkeit zu inszenieren gewußt; freilich habe Marietta gegen Ende der Veranstaltung zu verstehen gegeben, daß sie derlei "ziemlich langweilig" finde für einen "ordentlichen Mann" usw.
(da platzt d’ Soffie herein: Percy)
09,d Der Poldi hielt Max das Weißbierglas entgegen, und während Gregor nur ein Weißbierglas sah, begriff Max sofort.
(#Augustiner? Paulaner?#)
Poldi, in seiner Begeisterung über den geschwungnen Verlauf des Glases: fragt die Bedienung, ob er das Glas kaufen kann (denn aus dem Alter, wo man derlei klaue, sei er leider draußen).
Bedienung: Das sei doch ein ganz gewöhnliches Glas.
Poldi, Max: reden auf die Bedienung ein - "Da fehlt nur noch der Schuh, dann isses perfekt"
Bedienung: Was denn das für ein Schuh sein müsse, der zu einem Augustiner-Glas passe?
Poldi: Jedenfalls keiner von Löwenbräu.
Und obwohl er das Glas geschenkt bekam, verfiel er ein Bier später - das fünfte! - in Tiefsinnigkeiten (alles im grünen Bereich, jaja, aber das sei’s ja gerade, nichts, das ins Bodenlose oder Höhenrauschige entgleiste, nichts), so daß er sein Glas glatt stehenließ, als es ans Zahlen ging.
(Gregor nimmt es mit)
09,d Die Würfler in der "Sieben"
11,b: Erst Marietta fragt sie, was sie denn da würfeln, und läßt sich’s sehr ausführlich (für Gregor: viel zu ausführlich) erklären: Chicago-Regeln.
09,d Gregor + Max: Zwar waren sie keine Verwandten im Geiste, wohl aber im Durste
09,d Je trunkner Max wird, desto mystischer seine Thesen über Marietta: Immer von einem Hauch der Fremdheit sei sie umgeben, immer sublimiert, eine Unberührbare, kein Tier.
09,d Marietta: hat auf Bahnhöfen die zwanghafte Angewohnheit, Neger zu zählen
09,d Max angeblich (lt. Poldi): "Können Sie sich vorstellen, daß ein Neger einen Motor erfindet?" Und ins entsetzte Salon-Schweigen hinein: "Gegenfrage: Können Sie sich vorstellen, daß ein Neger einen Koffer trägt?"
09,d Max über Ecki: Immer sei er griesgrämig, apathisch, mache allen andern das Leben schwer mit seiner Schwermut, "ein echter Pflegefall";
Des Poldis Lobrede auf Ecki.
09,d Max: Der Trend geht nun mal zum Zweithandy, reg dich ab.
09,d Max: "Der gute alte Percy! hat er doch glatt das Handy vom Direktor mit ‘nem Knochen verwechselt - ich sag’s ja, warum müssen die Dinger auch immer kleiner werden …" Man habe also den Hund umringt, der sich, verzweifelt noch schluckend, an seine Lieblingsstelle im Salon geschleppt hatte, an die Vitrine, wo’s immer ganz besonders stark nach Marietta roch, und dort: unter Absonderung einiger dunkler Töne verröchelte.
Allgemeines Schweigen. Dann: brachten einige der betrunkneren Gäste Trinksprüche auf ihn aus ("makabre Trinksprüche", unterbrach der Poldi, "sehr makabre Trinksprüche"); plötzlich aber habe der Direktor ganz öffentlich Trauer über sein Handy bekundet, das sei "ja wohl jetzt auch hinüber", woraufhin sich der Milliardär seine Nummer hatte geben und es in Percys Bauch oder eigentlich: seinem Hals eine ganze Weile hatte klingeln lassen.
Beginnende Sprüchklopferei der Salonlöwen ("Funktioniert doch noch tadellos", "Mußt du bloß mal in die Reinigung geben".
Mariettas Aufschrei.
Damit war’s wohl auch dem letzten schlagartig klargeworden, daß der Salon für diesmal beendet war.
09,d Max: "Wenn uns jetzt so ‘ne peudoemanzipierte Tante zuhören könnte, die würde denken, daß wir total frustrierte, total larmoyante, total -- alte Säcke sind, würde die denken." Und, lauter, in die Kneipe hinein: "Sind wir aber gar nicht!"
Eine Frau vom Nachbartisch: "Was seid ihr nicht?"
Max: "Das, was du von uns denkst!"
Die Frau: "Sind Sie sich sicher, daß Sie mich duzen sollten?"
09,d Poldi-LEITMOTIV: Er saß wie auf einem Klodeckel/auf einer Klobrille.
09,d Poldi: bedarf der regelmäßigen Massage, sonst hält er’s mit seinem Rücken nicht aus.
09,d Poldi: Ein Alterungssymptom? Thomas Mann gut finden.
09,d Politphrasen: "Ich rufe Sie zur Ordnung, Herr Kollege"; "4,5 Millionen Arbeitslose stehen hinter mir" incl. Wetterbericht für Drachenabstürzer (Heiner Geissler).
09,d Salon-Sprüche: Physical Correctness; "Build a better bamboo"; "Shugar Bumsi"; "ein Neger mit Gazelle …"; darf man Negerküsse essen?
09,d "Darf ich meine Plastiktüte dann auch nicht mehr Türkenkoffer nennen?"
09,d "Wosamma-Neger"
09,d/e Abends fährt er zum erstbesten "Odyssia", stopft sich ein Bifteki rein, von schwarz behaarten Griechenarmen bedient, Alexis-Sorbas-Musik, Flughafenkunst an den Wänden und an jedem Tisch mindestens ein Intellektueller: Versatzstücke aus den 70ern. Die Kerzen auf den Tischen nicht zu vergessen, den verkochten Reis.
Anschl. in der "Kaiserin Elisabeth": 23.6. Dtl. - Kroation 2:1 ("die schlechteste Elf, die wir je hatten")
09,d/e Gregors plötzliche Fühllosigkeit oder eigentlich: sein plötzliches Gefühl, daß alles nicht so ganz sinnvoll war, was er tat oder dachte oder fühlte oder nicht fühlte oder nicht dachte oder tat: Da wußte er plötzlich, daß er sich wirklich verliebt hatte.
09,d/e Gregors Solo-Tat: Erkundung von Feldafing und Umgebung ("Fakten sammeln") - und als er darüber die Zeit vergißt Übernachtung im "Golfhotel Kaiserin Elisabeth": schmales hellhöriges Zimmer, heißkalte Dusche, Frühstücks-"Büffet", Warteschleife beim Auschecken … der Rachegang in die nichtbewirtschaftete Bar und der Schluck aus der Flasche
09,d/e Tagsüber: Alicja, weinend am Telephon: Ob sie kommen dürfe?
(aber Gregor fährt nach Feldafing)
09,d/e usw.: Gregors Hexenschuß-Anfall beim Zähneputzen, er bejammert Alicja am Tel. ("Kleinkram")
09,d1 Auf den ersten Blick stellt sich raus, daß unter den Stammtrinkern auch heute etliche Saukerle waren.
09,d1 Max in der "Sieben" (ohne Poldi):
Sein Problem sei, daß er nichts mehr als Problem empfinden könne, sondern bestenfalls als Aufgabe. Gerade bei einer wie Marietta - andernfalls würde man mit so einer ja verrückt.
09,d1 Max’ angeblicher Ausfall gegen "Meinungspächter vom Schlage eines Wegensteiner": "Zu jedem Pups haben sie die richtige Einstellung"
09,d1 Max, der in angetrunknem Zustand dem Schilderklau zuneigte und dabei nicht mal die kleinen Empfehlungsschildchen neben Hoteltüren ("Vom ADAC empfohlen") verschonen konnte ("Siehste, selbst der ADAC empfiehlt uns ja, daß wir …"), hatte bei seinem Klogang etwas entdeckt, das ihm sein weiteres Leben mit einem Mal grau und sinnlos erscheinen ließ, es sei denn, es gelänge ihm, jetzt & sofort & mit Gregors Hilfe, dies etwas "wegzufinden".
09,d1 Volltrunkner Max: schwelgt in Erinnerungen an die glücklicheren Tage des "Weitpissens" und Erbsensupperülpsens
09,d1 "an Willi kipp ma no" (Williamsbirne)
09,d1 "Sieben": Die Freunde der Wortstanze waren auch heute abend alle da.
Vierzig werden, d.h. ins Grübeln geraten, ob man sich demnächst mal den Bauch liften lassen mußte.
09,e 26.6. Dtl. - England 6:5 (nach Elfmeterschießen, "ein Krimi")
09,e 30.6. Gregor sieht das EM-Endspiel bei Horst/Ulf:
Dtl. - Tschechien: 2:1
Wie sie da, Hand in Hand, wie ein altes Ehepaar vor dem Fernseher saßen, Gregor konnte gar nicht hinsehen.
Und obwohl’s ja ein Endspiel und also nicht ganz unwichtig war, obwohl’s ja einen Gast gab, der obendrein ihr Nachbar war, konnten’s Horst und Ulf nicht lassen, zwischendurch Berührungen aller Art auszutauschen oder Blicke: die schier nicht auszuhalten waren.
(nach Golden Goal durch Oliver Bierhoff: irgendwie unbefriedigend);
Alle saßen noch eine Weile verdattert vor dem Fernseher, diese deutsche Elf als Europameister: das war eigentlich ungerecht etc.
09,e Mariettas Einladung: "zusagen bitte unter beinhofer@t-online oder auch offline";
kein Wort über die Ohrfeige, geschweige eine Entschuldigung: Gregor nahm sich fest vor abzusagen.
09,e nebenbei hat Gregor trotz seiner Dauerbedenkenträgerei - ohne daß er’s mitgekriegt hätte - den Kuchen gegessen
09,e Wehwehchen: alle hätten dieses Jahr wieder diese Sommergrippe, überall Viren, alles ansteckend
09,e Wenn das stimmte, was der Poldi erzählt hatte bzw. Max, dann hatte Marietta keine Prinzipien mehr und war also nicht mehr so jung, wie sie tat. $$$
zurückSchnipsel