Der beharrlich böse Einfluß der Bifi-Wurst

Der beharrlich böse Einfluß der Bifi-WurstEin End- und ein Nachspiel

erschienen/erscheint bei:

Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn, April 2020

24 S.
Broschur mit Leibchen
fadengeheftet
limitierte Auflage
12€


Entstehungszeitraum: 16/02/2019 - 20/02/2019

Über das Buch

Überarbeitete und um ein Nachwort ergänzte Neuauflage von „Der böse Einfluß der Bifi-Wurst“ (Verlag Ulrich Keicher, 1996, vergriffen) anläßlich des Todes von Wolfgang Frühwald.

Die Gestaltung ist eine Hommage an Ulrich Keichers berühmte Reihe „Roter Faden“, die mit „Der böse Einfluß der Bifi-Wurst“ als Band 44 beendet wurde. Auch diesmal dient ein roter Faden zur Heftung.

Das Nachwort ist ein persönlicher Nachruf auf Wolfgang Frühwald und die Zeit, die Politycki mit ihm und den Mitgliedern des Oberseminars an der Münchner Universität (und in umliegenden Gaststätten) verbrachte.

Leseprobe

Vormittagsgeräusche von der Straße, Mittagsgeräusche, Nachmittagsgeräusche. Viel zu selten ein lauer Luftzug durch die geöffneten Fenster. Das unverschämt langsame Schrumpfen, das unverschämt langsame Wachsen der Schatten zwischen den Sesseln einer abgeschabten Sofagarnitur … In der Halbzeitpause werden die Beisitzer ausgewechselt, bloß der Herr Professor, Ordinarius für Neuere deutsche Literaturgeschichte, hat die komplette Spielzeit zu kämpfen – gegen die Hitze, den flimmernden Stillstand der Zeit, das brütende Schweigen seiner Magisterkandidaten.

Siebzehn Uhr, die Tür öffnet sich zur vorletzten Prüfung, und über die Schwelle schnauft ein geschmückter Glatzkopf – Mitte Zwanzig und völlig nackt bereits über und zwischen und hinter den Ohren –, trippelt nervös auf der Stelle, sieht eine Lücke zwischen den zwei Verteidigern der blauen Sesselgruppe, läuft hinein. Stoppt mitten im Spurt abrupt ab und bietet sich an, sein hellgrün kariertes Sakko sitzt nur deshalb so schief und so eng, weil beim Zuknöpfen, schade! ein Knopfloch verfehlt wurde, stoppt ab, greift nach der Hand des Herrn Professors, taucht in die Tiefe des Raumes, taucht auf, grinst, präsentiert sich mit einem handbreiten Schlips, auf dem grellgelbe, weiße, schwarze Fußbälle herumhüpfen. Präsentiert sich mit einem Schlips, der bei seinem Rundweg um den Hals, schade! herausglitt aus der Versenkung. Und also linkerhand überdem Kragen läuft statt darunter, hineinläuft in einen gordisch geknüpften Krawattenknoten, der dem obersten Ball die Luft herausdrückt langsam herauswürgt, nur noch zu einem schwarzweißen Drittel ragt er aus der Verschlingung.

„Pospischil, unmöglicher Name, nicht?“ buckelte sich der Prüfling voran, haschte jetzt auch nach der Hand des Beisitzers, der diesen hektisch hechelnden, sich ständig irgendwo kratzenden Zögling des Professors tatsächlich noch nie gesehen hatte: im Oberseminar nicht, in der Institutsbibliothek nicht, auf keinem der Gänge, in keinem der Übungsräume.

„Bruno!“ setzte der hartnäckig hinterher: „Soll ich buchstabieren?“

[…]