Herausgeberschaft

DAS GEDICHT Bd. 20

DAS GEDICHT Bd. 20

DAS GEDICHT Bd. 20Das Beste aus 20 Jahren … und für die nächsten 20 Jahre

erschienen/erscheint bei:

Anton G. Leitner Verlag, 15/10/2012.

Hg. zus. mit Anton G. Leitner
200 Seiten
€ 12,50 [D] / € 12,90 [A]
ISBN 978-3-929433-72-2

Entstehungszeitraum: 15/01/2012 - 30/08/2012

Zum 20. Geburtstag der Zeitschrift präsentieren die Herausgeber der Jubiläumsausgabe, Matthias Politycki und Anton G. Leitner, lustvoll lesbare Realpoesie von über 100 Autoren. Namhafte Dichter aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz wie F. W. Bernstein, Bas Böttcher, Franzobel, Ulla Hahn, Steffen Jacobs, Franz Xaver Kroetz, Günter Kunert, Michael Lentz, Hellmuth Opitz, Dirk von Petersdorff, Gerhard Rühm und Robert Schindel demonstrieren mit leichter Hand Salli Sallmanns goldene Lyrikregel: »Jetzt
schreiben wir mal ein schönes Gedicht / und jammern und wehklagen nicht.«

»Die Lyrik müsste endlich wieder in der Wirklichkeit ankommen, sich stellen, Stellung beziehen. Sie sollte unverwechselbar und einzigartig sein. Was wir brauchen, ist eine neue Originalität!« wünscht sich der Nürnberger Dichter Fitzgerald Kusz. Genau solche Verse mitten aus dem Leben versammelt die Jubiläumsausgabe von DAS GEDICHT.
Matthias Politycki eröffnet den Band mit einer Liste seiner Top-Gedichte aus allen früheren Jahrgängen der Zeitschrift DAS GEDICHT. Die besten 20 davon werden als »Das Beste aus 20 Jahren« noch einmal präsentiert. 100 lyrische Originalbeiträge aus dem Jahr 2012 schließen sich als »Das Beste für die nächsten 20 Jahre« an, darunter auch eine konkrete »Bedienungsanleitung für das Gedicht« – natürlich in Versform. Vertreten sind Dichter sämtlicher Generationen, von Altmeister Ludwig Harig (*1927) bis zum Nachwuchsstar Leander Beil (*1992).
Im Essayteil beziehen 50 Dichter Stellung zu Gegenwart und Zukunft der Poesie. Anton G. Leitner rundet die opulente Lyriksammlung durch die Empfehlung 20 poetischer Novitäten jenseits des Mainstreams ab.

Aus dem Editorial von M.P

Das Arsenal der Techniken, den lyrischen Zauber auf Leser zu übertragen, ist zwar von alters her bekannt und von jeder Epoche variiert und ergänzt worden; mit Anbruch der Moderne und ihrer Huldigung des Hermetischen wurden sie aber gern als Formhuberei derer abgetan, die zum wahren Sehertum nicht berufen sind. Am Ende dieser Entwicklung, die auch im Bereich der Poesie ins Anything goes postmoderner Beliebigkeit mündet, besinnen sich die Lyriker seit einigen Jahren jedoch wieder verstärkt auf die „klassischen“ Rahmenbedingungen ihrer Produktion, schreiben und publizieren lesbare Gedichte in des Wortes bester Bedeutung. Realpoesie versteht sich nicht als Referenzmedium einer Elite, sie vermittelt sich auch einem breiteren Publikum unmittelbar. Um zu wirken verschmäht sie selbst Pointe und Sentenz nicht, manche ihrer Verse lernen sich ganz von alleine auswendig. Indem sie nicht erst über den Umweg der Dechiffrierung Leselust erzeugt, wird ihr innerster Wesenskern sofort spürbar und für den Leser miterlebbar: der tiefe Ernst, der letztlich fast jedes Gedicht beglaubigt, gerade auch wenn es heiter daherkommt.
Realpoeten, wie ich sie verstehe, sind Lyriker, die in allererster Linie für Leser schreiben, ob sie dabei mehr ins Sprachexperimentelle oder ins Erzählerische gehen, ist sekundär. Sie möchten eine Erfahrung nicht nur irgendwie zu Papier bringen, sondern mitteilen, mehr noch: mit ihren Lesern teilen. Und tragen also immer Sorge, daß die poetische Botschaft auch ankommt. Das war einige Jahre lang nicht die Selbstverständlichkeit, die es eigentlich sein sollte; im Gegenteil! Lediglich wer behauptete, für sich selber (und niemand sonst) zu schreiben, war en vogue und auch gleich unter Genialitätsverdacht. Damit scheint es nun, zum Glück, erst einmal wieder vorbei zu sein (…)

Aus dem Editorial von Anton G. Leitner

»Wie verändern Grenzerfahrungen das eigene Ich?«, so lautete im Sommer 2012 die Fragestellung einer ARD-Talkshow. Moderator Reinhold Beckmann sprach mit Survival-Experten, die im Dschungel unter Indianern leben oder freizeitmäßig in die Wildnis Kanadas fliehen. Nun mag der Nervenkitzel für Leute, die in einen Bürokokon eingesponnen sind und sich dabei täglich der Gefahr aussetzen, hinter ihren DIN- und ISO-zertifizierten Bildschirmarbeitsplätzen einzustauben, tatsächlich gewaltig sein, wenn sie beim Fliegenfischen in Nordamerika unter Aufsicht von Wildhütern alle Jahre wieder einem Grizzly die Pfote schütteln. Wer wirklich sein Limit austesten möchte, sollte eher versuchen, ohne Kapital eine Lyrikzeitschrift zu gründen. Wenn er dann seine Poesiearche zwei Jahrzehnte lang aus eigener Kraft durch verminte und nicht selten auch haifischverseuchte Gewässer gerudert hat, braucht er sich nicht mehr mit theoretischen Überlegungen zu quälen, wie ihn so ein ›Abenteuer‹ verändert. Wirkliche Überlebenskämpfe werden weit weg von Dschungelcamps ausgefochten (…)

„Wer auch nur halbwegs Gedichte schätzt, wird dieses Buch auf Anhieb mögen. (…) Die Jubiläumsausgabe dieser Zeitschrift bietet Alltagsgedichte – keine akademischen Gebilde.“

(Norbert Kühne, Marler Zeitung, 12/4/13)

„Beide [AGL u. MP] haben Gedichtbände geschrieben, die mit zum Besten gehören, was die zeitgenössische Lyrik zu bieten hat und beide sind kompetent und neidlos genug, um Kollegen in ihrer Zeitschrift zu veröffentlichen, die ebenfalls richtig gut sind. (…) Wer Anthologien liebt, so wie der Rezensent es tut, der findet hier die Gedichte einer großen Auswahl hervorragender zeitgenössischer Lyriker, mit denen er sich dann bei Bedarf in einem zweiten Schritt näher beschäftigen kann.“

(Matthias Ehlers, Bücher/WDR 5, 2/2/13)

„Lustvoll lesbare Realpoesie (…). Mehr Lyrik in einem Band geht nicht.“

(Salli Sallmann, RBB/Kulturradiotip zu Weihnachten 2012)

„Es gibt eine (subjektive, aber nachvollziehbare) Best-of-Liste aus 20 Jahren, 50 aktuelle Lyriker-Statements zur Lyrik (von unterschiedlicher Qualität), ein Gesamtregister und 92 wunderbare Gedichte für die nächsten 20 Jahre. Tolles Heft!“

(JD, WAZ, 29/11/12)

„Dass hier eine wichtige und überfällige Debatte über Tendenzen in der Lyrik sowie die Gewichtung dieser Tendenzen angestoßen wurde, und dass es diese Debatte in die lyrische und teilweise breitere Öffentlichkeit geschafft hat, ist sehr erfreulich. (…) Die Jubiläumsausgabe widmet sich ausnahmsweise keinem bestimmten Thema. Sie sammelt einfach gute Gedichte: wunderschöne, herzzerreißende, kluge. Und lesbare.“

(Xóchil A. Schütz, Poetry Slam Magazin, http://www.myslam.net, 4/11/12)

London, Signale aus der Weltmaschine

London, Signale aus der Weltmaschine

London, Signale aus der Weltmaschine

erschienen/erscheint bei:

Corso, Hamburg, als Band 3 der Reihe corsofoglio, 30/4/2011

160 Seiten,
durchgängig 4-farbig und Duotone auf zwei Papieren
Format 22 x 30 cm, Fadenheftung, Hardcover
€ 24,95 [D] | € 25,70 [A] | SFr 41,50 [CH]
ISBN 978-3-86260-015-1

Entstehungszeitraum: 08/03/2010 - 01/01/2011

London ist vielleicht die einzige Welt-Stadt Europas – obwohl oder gerade weil sich die Stadt bis heute durch notorischen Euroskeptizismus auszeichnet. Jede Stadt hat ihre speziellen Gegensätze. In London werden sie durch eine beispiellose Multi-Ethnie geprägt. Oder durch den Unterschied zwischen East End Boys und West End Girls, den schon die Pet Shop Boys besungen haben.
Right, Pop. Da war doch was, King’s Road, Carnaby Street, Punk. Style und so. Ist da noch was?

corsofolio London unternimmt Expeditionen in die Stadt der Parallelgesellschaften, der Pubs und Caffs und – These – in die Welt-Hauptstadt der Musik und der Mode.

Gastgeber ist
Matthias Politycki: „Mind the Gap!“

Themen und Autoren sind u. a.:
·  Jan Böttcher lässt in Hackney seine Empfindlichkeit zurück:
„Of course, there’s a lot to be done to this place“
·  Alain de Botton findet, London ist architektonisch gescheitert:
„Ich finde, London ist eine hässliche Stadt“
·  Christoph Dallach streift durch die Geschichte des Londoner Pop:
„Gleise nach London“
·  Martin R. Dean hält London für einen jungen aufbegehrenden Boxer und
einen alten spöttischen Lord zugleich: „Das Versprechen von London“
·  Margit Dirscherl staunt über die Übertreibung der Überstreichung:
„Schöner Schein“
·  Rüdiger Görners sechs London-Bilder in Prosa:
„Traumschutt in der Hyperstadt“
·  Eike Schönfeld sitzt auf alten Küchenstühlen an Resopaltischen:
„Londoner caffs: Ein Ausflug in die Vergangenheit“
·  Stefan Tobler wandert ins Geradenochlondon:
„Afghanischer Spaziergang“
·  Stefanie Schütte erklärt die Pariser Modeszene ohne London für tot:
„Haute Couture est mort(e)“

Mit einer Bild-Geschichte von Hans Hillmann und
dem Bilderbogen von Wolf Suschitzky.

Das Journal mit Texten von
Charles Dickens, William Shakespeare, Christopher Marlowe, Nick Hornby, Oscar Wilde, Will Self, Zadie Smith, Monica Ali, Georg Christoph Lichtenberg, Karl Marx, Jane Austen, Ronald Reng, John le Carré etc.

Mind the Gap!

Dezember: Seit einem knappen Vierteljahr wohne ich in Mile End, mitten im wilden Osten Londons, auf dem Campus des Queen Mary College, direkt am Kanal. Von meinem Schreibtisch aus kann ich Enten und Hausboote sehen, Kanufahrer und Spaziergänger – es ließe sich kaum ein beschaulicherer Ort finden, um Romane oder Gedichte zu schreiben. Wenn da nicht noch der Rest der Stadt wäre, das East End zunächst mit seinen derb verklinkerten Straßenzügen, Hochburg der Bengalen und neuerdings auch all derer, die irgendwie hip sein wollen; ganz abgesehen von den verbliebnen Armen und Ärmsten der Armen, die einst das East End prägten und nun in den Docklands zusehen dürfen, wie der reiche Westen sogar Viertel erobert, die Charles Dickens als die heruntergekommensten der Stadt rühmte. Und drumherum dann … der ganze große Rest, Tag für Tag, Nacht für Nacht: Greater London ist ziemlich viel für jemanden, der aus einem Land kommt, das sich noch heute als Summe seiner Provinzen begreift.
Apropos Deutschland: Daß es in den britischen Nachrichten so gut wie gar nicht vorkommt, muß nicht unbedingt überraschen; aber daß sich die zahlreichen Deutschen, die hier leben – meiner Kenntnis nach als die einzige Minderheit in dieser an Minderheiten überreichen Stadt –, durch Assimiliation völlig im Londoner Weltbürgertum auflösen anstatt wenigstens in Ansätzen Flagge zu zeigen, meinetwegen mit Brezel-Bäckereien oder mit Kneipen, in denen es Augustiner Edelstoff und Schweinsbraten mit Knödeln gäbe, ist das nicht bezeichnend?
Zugegeben, seit kurzem gibt es ein Bavarian Beerhouse, sogar doppelt, mit „charming waitresses in traditional Bavarian Dirndl dresses“. Serviert wird freilich Currywurst und Schweizer Wurstsalat, dazu „Jaegermeister on-tap“, „Porno Brause“ und Krombacher Pils im Maßkrug alias stein. Achtung, „Monday & Tuesday Schnitzel Madness“! Und wenn nicht gerade die Hotz’n Plotz Beer Brothers oder die Zipfi Zapfi Boys spielen (…)

„Herbarium und Kaleidoskop, philosophische Betrachtung, Galerie. Eigenwillig, persönlich, vielstimmig.“

(Barbara Bongartz, Die Presse, 16/12/11)

„Erwarten Sie keine Übersichtsartikel, sondern intelligente Ideen und erhellende Einlassungen.“

(Hamburger Lokalradio, 30/10/11)

„Jedes Bild ist eine Momentaufnahme, jeder Text ein Bericht von unterwegs, eine Reflexion über die beständig erfolgende Häutung und Erneuerung der Metropole.“

(Barbara Wopperer, Süddeutsche Zeitung, 20/10/11)

„brillant“

(onrail, August/September 2011)

„So schön und so literarisch, wie Merian-Hefte einmal waren“

(Wolf Ebersberger, Fränkischer Kurier, 29/7/11)

„Vorsicht: Wer diesen London-Band auch nur durchblättert, wird sofort einen Flug an die Themse buchen wollen.“

(Thomas Klingebiel, Neue Westfälische, 23./24.7.11)

„Wer sich einen Überblick über den Zustand Londons im 21. Jahrhundert mit allen seinen Licht- und Schattenseiten, seiner gewaltigen Dynamik und seinem bunten Völkergemisch machen und die ‚Signale aus der Weltmaschine‘ einmal näher betrachten möchte, dem kann dieses Buch sehr empfohlen werden.“

(Rolf Ingo Behnke, ekz Bibliotheksservice, 11/7/11)

„ein kontrastreiches Bild, das in seiner Tiefe auch alle begeistern wird, die die Stadt an der Themse sonst eher weiträumig meiden“

(Nicole Lindgens, BuchMarkt, Juli 2011)

„Der etwas andere Blick auf eine europäische Großstadt (…), unglaublich prall und üppig (…), eine Wunderkiste (…), wir sind hin und weg.“

(Christine Westermann, WDR 5 Bücher, 26/6/11)

„spannende Essays und außergewöhnliche Fotos von unterschiedlichen Autoren, die eines eint – ihre Liebe zur Themse-Metropole“

(Trierischer Volksfreund, 30/6/11)

„Das ‚Corsofolio‘ ist aber nicht nur lesenswert, es gibt auch optisch etwas her: Historische und aktuelle Bilder machen die Zeitschrift zu einem Augenschmaus.“

(Basler Zeitung, 22/6/11)

„dokumentiert vortrefflich die vielen Facetten dieser Stadt“

(Daniel Arnet, Tages-Anzeiger, 22/6/11)

„eine wahre Freude für jeden Bücherfreund“

(Frank Keil, DIE WELT, 27/5/11)

„ein charmanter Ausweis weltmännischer Rotzigkeit“

(Thomas Andre, Hamburger Abendblatt, 4/5/11)

„Buch-Magazin-Hybrid mit Anspruch, Stil und Klasse – Der nächste gelungene Cross-over! (…) ‚London, Signale aus der Weltmaschine‘ vereint opulente Fotokunst, modernes Layout, anspruchsvolle Literatur und lebensnahe Reportagen. Gefühlt: ein Buch, gelesen: ein aktuelles Journal mit Tiefgang (…) – ein exzellent gemischtes Schlaglicht auf die Metropole an der Themse.“

(Abenteuer und Reisen, April 2011)

Hundert notwendige Gedichte. Und ein überflüssiges

Hundert notwendige Gedichte. Und ein überflüssiges

Hundert notwendige Gedichte. Und ein überflüssiges(als Hg.) (20/8/90)

erschienen/erscheint bei:

Luchterhand, 3/92
vergriffen; zu beziehen über Warmbronner Antiquariat Ulrich Keicher, Postfach 7044, 71216 Leonberg, Tel. 07152/72195, U.Keicher@t-online.de

185 Seiten
ISBN 3630867839

Entstehungszeitraum: 10/10/1990

Im Luchterhand Jahrbuch der Lyrik 1989/90 hat Matthias Politycki mit der Gegenwart abgerechnet. Jetzt legt er das Gegenstück vor: hundert Gedichte, die seine Vorstellung von „Artistik“ demonstrieren. Die Spannweite reicht von Francois Villon bis zu den Rolling Stones, von chinesischer Lyrik des Mittelalters bis zu den „starckdeutschen“ Gegenwartsversen eines Matthias Koeppel. Alle Gedichte aber haben eines gemeinsam: die perfekte Form. Polityckis Anthologie ist eine bewußt einseitige Programmschrift. Sie propagiert eine „Neue Äußerlichkeit“, die natürlich alles andere als neu sein will.
Zwei Besonderheiten unterscheiden die Hundert Gedichte von herkömmlichen Anthologien: Politycki versucht mittels der Aneinanderreihung von Gedichten in sechs Kapiteln, „Geschichten“ zu erzählen. Obszönes steht deshalb neben Groteskem, barocke Todesbetrachtung und romantische (Alp-)Träumerei neben Großstad- und Kneipenvisionen. Die ungewöhnliche Abfolge, die aus dem Neben- ein Miteinander von Gedichten macht, soll die betuliche Langeweile verhindern, die üblichen Anthologien anhaftet.
Und Politycki hat sich noch eine kleine Bosheit erlaubt: Unter die hundert notwendigen Gedichte hat er ein überflüssiges gemischt. Dieses erscheint zwar auf den ersten Blick „perfekt“, enttarnt sich aber bei mehrmaliger Lektüre als Platitüde. Es liegt beim Leser, dieses Gedicht zu finden.

Die Anthologie enthält maximal drei Gedichte der folgenden Autoren:

Pierre Albert-Birot Hugo Ball Charles Baudelaire Gottfried Benn Ernst Blass Paul Boldt Bertolt Brecht Clemens Brentano Lewis Carroll Max Dauthendey Hans Magnus Enzensberger Joseph von Eichendorff Günter Bruno Fuchs Wolfgang Gehringer Stefan George Robert Gernhardt Johann Wolfgang von Goethe Iwan Goll Tereza Graw Andreas Gryphius Ferdinand Hardekopf Friedrich Hebbel Heinrich Heine Max Herrmann-Neisse Georg Heym Bettina Hirschberg Hugo von Hofmannsthal Friedrich Hölderlin Ulrich Horstmann Mick Jagger Ernst Jandl Franz Kafka Gottfried Keller Wilhelm Klemm Matthias Koeppel Karl Krolow Nikolaus Lenau Li Bai Alfred Lichtenstein Stéphane Mallarmé Matsuo Bashõ Walter Mehring Conrad Ferdinand Meyer Christian Morgenstern Eduard Mörike Mynona Wolf von Niebelschütz Friedrich Nietzsche Heinrich Nowak Nyûdô Saki-no Dajôdaijin Harry Oberländer Albrecht Oldenbourg Francesco Petrarca Jacques Prévert Man Ray Christa Reinig Karl Riha Rainer Maria Rilke Arthur Rimbaud Joachim Ringelnatz Herbert Rosendorfer Thomas Rosenlöcher Peter Rühmkorf Friedrich Schlegel Kurt Schwitters Ernst Stadler Georg Trakl Karl Valentin Paul Verlaine François Villon Friedrich Theodor Vischer Johann Heinrich Voß Ror Wolf

Form ist Wollust!
Aus der Vorrede zur Anthologie „Hundert notwendige Gedichte. Und ein überflüssiges“

(…) „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ – dieser Stoßseufzer muß Odo Marquard bei der Lektüre zeitgenössischer Lyrikalmanache entfahren sein. Falls er nicht gleich selbst aus der Haut gefahren ist … Und das alles wegen eines verhängnisvollen Wandels im Selbstverständnis der Lyriker gegen Ende der sechziger Jahre; Versemachen wird von von ihnen seither bloß im Ausnahmefall noch als „Quadratur des Kreises“ (Rolf Dieter Brinkmann) betrieben, ist in der Regel zur Notation der laufenden Ereignisse heruntergekommen: „Man braucht nur skrupellos zu sein, das als Gedicht aufzuschreiben. […] Man muß vergessen, daß es so etwas wie Kunst gibt! Und einfach anfangen“ (Brinkmann).
Wie, wenn der Leser das aber nicht vergessen hat, nach der Demontage des Wahren (durch Kant) und des Guten (durch die französischen Moralisten, dann wieder durch Nietzsche) verbissen am Schönen festhält? Und nicht zufrieden sich geben will mit den allfälligen „snap-shots“ (Brinkmann), sondern auf der „Quadratur des Kreises“ beharrt, die Brinkmann so großzügig den „berufsmäßigen Ästheten und Dichterprofis“ überläßt? Wie, wenn es gerade das ist, was den Leser abschreckt von der gegenwärtigen Mainstream-Lyrik: daß sie die „Quadratur des Kreises“ noch nicht einmal mehr versucht, statt dessen mit dem Kreis sich begnügt, dem ewigen Um-sich-selber-Kreisen … Und dabei bestenfalls ein leichtes Schwindelgefühl beim Leser hervorruft, eine Verwirrung, eine Übelkeit bisweilen:

Wie stehen Sie zu Zärtlichkeit?
Ja – aber damit man anständig streicheln kann, muß man diese Filzwinkel erst haben.
Sonst kann man es nicht. Also von meinem Gesichtspunkt aus ist es undenkbar,
daß man noch jemals einen Menschen streicheln kann, ohne sich Fettecken
gemacht zu haben.

Kein gutes Gedicht, finden Sie? Zugegeben, zunächst ist’s auch nicht mehr als Frage & Antwort in einem Interview mit Joseph Beuys aus dem Jahr 1979, aber – jeder Mensch ist ein Künstler! Man braucht nur skrupellos zu sein … und selbst ein wenig Hand anzulegen, schon gewinnt der „snap-shot“ lyrische Qualitäten:

Zärtlichkeit
Jaja – aber
damit du wirklich streicheln kannst,
mußt du die Filzwinkel erst haben.
Sonst –
kannst du es nie …
Also
undenkbar,
daß du je einen Menschen noch streicheln kannst,
ohne dir Fettecken –

– verdammt, wie eigentlich soll man sich Fettecken machen? Fettflecken gingen ja noch an – na egal bzw. um so besser, das Gerippe eines kleinen lyrischen Maulaffen haben wir jedenfalls und, ganz nebenbei, eine Bestätigung für Gottfried Helnweins Behauptung: „Von diesem Jahrhundert wird Walt Disney bleiben und nicht der Joseph Beuys.“ (…)

„Ein Lehrstück darüber, wie Lyrikanthologien überhaupt noch möglich – und vielleicht gar nötig – sein können.“

(Friedhelm Rathjen, Süddeutsche Zeitung, 17+18/6/92)

„Mit der (…) Anthologie ‚Hundert notwendige Gedichte. Und ein überflüssiges‘ (…) hat (…) Matthias Politycki jenseits der Registiermajorität harmloser Poesiealben eine notwendige Textsammlung herausgegeben, die der seit einiger Zeit wieder verhandelten ästhetischen Formdebatte schwergewichtige Akzente setzt. Endlich wagt es jemand, den glatten Ring der literarischen Wertung zu besteigen und der stromlinienförmigen ‚Flattersatzlyrik‘ (…) provokant den Kampf anzusagen.“

(Michael Lentz, Abendzeitung, 13+14/6/92)

„Dies ist, daran zweifle ich nicht, der Gedichtband des Jahres. (…) Dies und vieles mehr ist der von Überraschungen nur so strotzenden Gedichtsammlung zu entnehmen. In kluger Komposition finden sich bekannte Autoren neben ganz unbekannten (…) – und ein ‚notwendiges Gedicht‘ hat Politycki sogar bei Mick Jagger entdeckt. Das hat einen Titel, den man dieser Anthologie gern nachrufen möchte: ‚On with the Show‘.“
(Ralf Sziegoleit, Frankenpost, 24/4/92)

„(ein) Abenteuerbuch lyrischer Entdeckungen mit einem hinterhältig versteckten Stolperstein“

(Rolf Seeliger, tz, 12/5/92)

„ein Meilenstein in der Lyriklandschaft (…), der seinesgleichen sucht. Wir empfehlen (…) allen das Buch auf das beste.“
(Redaktion Rind & Schlegel. Zeitschrift für Poesie, Nr.22, 1/10/91)

„Gerade bei einigen Texten aus dem Umfeld des Expressionismus kann Politycki einige echte Trouvaillen vorweisen.“

(Michael Braun, Basler Zeitung, 24/4/92)

„ein Buch zum Schmökern, Lesen, Noch-einmal-Lesen und Verschenken – kurzum eine ’notwendige‘ Gedichtanthologie!“

(Michael Bauer, Deutschlandfunk, 11/6/92)

„Der nicht nur konsumieren wollende Leser wird (…) dieser poetischen Fundgrube so schnell nicht wieder entkommen.“

(Michael Lentz, Bayerischer Rundfunk, 24/9/92)