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Matthias Politycki Radio

Bilder, wie sie nicht im Buche stehen

Sämtliche Gedichte 2017-1987

Regenzeit

Es regnet am Morgen
Es regnet am Mittag
Es regnet am Abend
Es regnet
Und regnet

Wir sitzen unterm Schirm
Des Kokosnußverkäufers
Oder beim Mönch im Allerheiligsten
Seiner Ruine ... (S.15)

Dreiklang

Die Dünung der Dämmerung,
auf dem entferntesten Felsenriff verebbend
dieser gnadenlos großen Stadt

Du, Mensch, blinzelnd in deinem Gehäuse,
ein Häufchen Staub beharrlich
zu etwas knetend, das Perle werden soll ... (S.60)

Graue Hügel, gelbes Grasland, egal

Nicht mal für Leoparden hielten wir
mehr an. Wir fuhren Tag für Tag
durch gelbes Grasland und vorbei
an grauen Felsenhügeln, manchmal Löwen,
und jeder Menge Schirmakazien,
die ihre Schattenrisse vor dem Himmel
für nichts und wieder nichts entfaltet hatten,
egal ... (S.69)

Die schottische Sekunde

Hingen die Wolken nicht so tief,
könntest du ganz in Ruhe
Ruinen und Wasserfälle bestaunen,
rote Postautos und weiße Häuser und
das leuchtgrüne Billardtuch,
mit dem die Hügel bespannt

Wenn du mehr mitbekommen willst
als Wolkendunst und Nebel ... (S.75)

Jurtengaudi

Da draußen: Burgen aus gebranntem Lehm,
beherrscht vom Schrei der Mauersegler.
Und weit und breit bloß außerdem
versalzte Böden. Heiß darüber
der Wind aus West. Wie angenehm

ist’s drinnen: Wodka, Wasser, grobe Kost.
Der eine spielt die Maultrommel
Der zweite ... (S.79)

Das große Nichts am Nachmittag im September

Nichts als der glattgefegte Sand,
darauf verteilt: gestutzte Pinien;
nichts als der Duft der Räucherstäbchen
und Lampions, Kerzenlichter, Gongs.

Hoch oben in den Wipfeln: Rabenklage.
Im Sand die gurrende Zufriedenheit der Tauben.
Mitunter, matt, der Klang der Rassel oder ... (S.86)

So viel Sonne

Am Ende
wird alles Unreine
ausgeschwitzt sein
unter dem Zorn dieses Sommers,
am Ende
wird nur sie übrigbleiben,
die Liebe ohne Begehr

Nichts wird sie mehr,
nichts von dir wollen und ... (S.123)

Ballade auf meine Wanderschuhe

Wie sie im Schuhschrank dunkelbraun und klobig,
ja, grantig steh’n, sieht’s ihnen keiner an,
daß sie mir schon einmal das Leben
gerettet: auf ’nem Berg im Sinai,
könnt’ sein, es war der Dschebel Ahmar,
nicht mal mein Führer wußte das genau,
ein Opiumbauer aus dem Feiran-Tal,
der mich am Ende ... (S.135)

Ägyptische Plage (I)

Karger als hier
geht’s nimmer.
Die Oasen mit dir
zerflirrt und zerflimmert
für immer.

Ein Ausgesetzter
auf den Bergen des Herzens,
starr’ ich, versteinert, verstummt ... (S.187)

Wir begannen natürlich
mit ’nem Royal London,
das offensiv malzig,
im Abgang nach altem Feudel schmeckte,
und ’nem London Pride
(»Whatever you do take pride«),
das erst recht malzig
und im Abgang nach ...
ja, nach was denn schmeckte?
Nach verranztem Murmeltier?
’nem räudigen Kater?
Nach Ziegenbock? ... (S.204)

Die Sekunden davor

Die letzten Bilder, die ich seh’: ein Dauerlauf
an jener Küste, wo ich einst gerannt, im Wald,
dann auf dem Deich oder direkt am Wasser, bald
auf Sand, bald auch auf Kies, auf feuchtem Tang, landauf

landab zur Rechten Weizenfeld und Mohn und Wiese,
nur selten ein Gehöft ... (S.367)

Was dürfen wir hoffen? Was sollen wir glauben? Was können wir tun?

Wir fahren am Morgen
Wir fahren am Mittag
Wir fahren am Abend
Wir fahren
Und fahren

Unsre Nächte sind klein
Und sie knistern vor Kälte
Unsre Tage sind gelb
Voller Glitzern und Glimmern und Gleichmut und Wind ... (S.373)

Wo gäb’s noch einen Vogelschwarm,
der die Sonne verdunkelt,
wo einen Berg,
den’s abzutragen lohnt?

Wo gäb es noch Gestöhn von Löwen, das
den Schweiß heraustreibt auf die Stirn,
wo noch ein Wasserloch,
das auszutrinken lohnt? ... (S.449)


Beim nächsten Bier wird alles anders

Auch am anderen Ende des Ozeans
rauschen die Wellen nicht leiser,
dehnen sich Strände nicht weiter,
sind Frauen weder weißer
noch wankelmütiger als hier.

Also sag nichts.
Doch wenn du dann zum Kühlschrank gehst,
bring mir eins mit.
Aber keines von denen, hörst du ... (S.465)

Als ich in einen Steingarten zu starren und dabei im Bug einer steinernen Dschunke zu versinken und dabei den Inseln der Seligen zuzutreiben glaubte

Fels fügt an Fels sich,
Gedankeninseln im Meer:
im Dort und im Dann.

Das Paradies wartet stets,
so wie ich, traurig, auf ... (S.502)

Warum dreht so einer wie ich bei diesem Sauwetter seine Runden?

Laufen, laufen, nichts als laufen
durch den Park, durch die Alleen –
laufen, laufen, laufen, laufen
wie ein Tier und ... nie mehr stehn!

Immer weiter durch die Pfützen,
schlammgeläutert, windgeprüft ... (S.537)

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