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Matthias Politycki Radio

Bilder, wie sie nicht im Buche stehen

Schrecklich schön und weit und wild


© Mohamed Imerhane

„In den meisten Fällen reise ich um der Sache selbst willen. Also nicht etwa, weil ich von der Fremde Inspiration oder zumindest Notizen erhoffe, eine Heimkehr ohne jede Notiz ist mir eigentlich die liebste. Und doch wären meine Bücher ohne all die Reisen nicht diese meine Bücher geworden, das schon...“ (S.11)

© MP

„Meine bislang schönste Skizze machte mir ein Lehrer namens Rishot, der sich sein Leben lang, wie er erzählte, den Regenwald rund um sein Heimatdorf Mawlynnong erwandert hatte. Ich war dorthin gefahren, um mir eine besonders berühmte der „Living Root Bridges“ anzusehen, von denen ich bereits in Cherrapunjee beeindruckt war...“ (S.30)

© MP

„Die Stadt, insbesondere die Megastadt, die den einzelnen mit ihren gewaltigen Selbstinszenierungen zu erschlagen droht und schon knapp daneben in tiefste Provinz umschlägt, das erscheint mir mehr denn alles andere als unsre Welt, unsre Gegenwart. Ich bin weißgott kein Fan jener Städte, sie bringen mich nicht weniger schmerzhaft an meine Leistungsgrenze als eine schwierige Tour in einer schwierigen Landschaft...“ (S.79f.)

© MP

„Selbst mitten in der Stadt entdeckt man überall unbebaute Planquadrate, die noch von der Wüste beherrscht werden. Und plötzlich sieht man schon die Ruinen, wie sie vielleicht irgendwann in der Zukunft hier zu besichtigen sein werden, wenn sich die Wüste all das verlorene Terrain wieder zurückgeholt hat. Dubai als das Babylon unseres Jahrhunderts, das ist ein Anblick, der weit über die bloße Orientierung hinaus beschäftigt...“ (S.84)

© MP

„Nicht nur Brachland oder Felder verschwinden sukzessive unter dem Müll, manchmal muß auch ein Haus geräumt werden – der Müllberg wächst auf beiden Seiten darum herum und schließt es irgendwann vollständig ein...“ (S.116)

© MP

„Eine Ballonfahrt über der Serengeti und danach auch noch ein Sektfrühstück im Stil von „Out of Africa“, mit historisch kostümierten Kellern und Tafelsilber an einem gedeckten Tisch unter einer Riesenakazie. Oja, das machte alles Spaß, auch wenn’s dem idealkorrekten Verhalten eines Reisenden nicht entsprach...“ (S.124)

© MP

„Eine ähnliche Szene hatte ich in einem jemenitischen Bergdorf erlebt, dort fuhr man einen Kriegsversehrten ohne Beine so lange im Schubkarren neben uns her, bis jeder bezahlt hatte. Auch er bettelte übrigens nicht, er blickte nur grimmig, das genügte...“ (S.135)

© MP

„Auf dem Friedhof Santa Ifigenia in Santiago de Cuba war ich so oft, daß mich die Totengräber mit Handschlag begrüßten. Schon nach wenigen Jahren der Verwesung werden die Toten hier in ihrer Totenruhe gestört – die Grabplatten weggehoben, die Särge aufgehackt, die Knochen gereinigt und in kleine Knochenkästen umgebettet...“ (S.143)

© MP

„Auf dem Mosesberg brachen sie bei Sonnenaufgang alle in Tränen und Lobpreisungen aus, filmten sich dabei mit dem Handy, damit sie ihre Botschaften anschließend in die Welt schicken konnten. Das hat mich eher verstimmt...“ (S.177)

© MP

„Im Kloster Tashiding gibt es ein Areal mit vierzig oder fünfzig großen Stupas. An der umgebenden Mauer stehen reihenweise Manisteine mit Mantras und davor, dazwischen, überall – wie soll man sie nennen? Vielleicht Miniaturstupas? Und was bedeuten sie? Eine ganze Weile saß ich zwischen den Stupas und betrachtete die Miniaturstupas. Keineswegs kurz entschlossen ließ ich die drei kleinsten von ihnen verschwinden...“ (S.229)

© MP

„Rückblickend muß ich mir eingestehen, daß meine Trekkingtouren besser organisiert waren als alles, was ich in der Fremde auf eigene Faust unternahm, und daß sie, abgesehen von Erics und meiner Gletscherquerung im Pamir, nur wohltemperierte Abenteuer boten. Ein Vergnügen waren sie sicher nicht, und großartig bestenfalls im Rückblick, wenn alles überstanden war...“ (S.240)

© MP

„Die ganze Nacht hagelte es oder schneite, tagsüber wehte ein wilder Wind, wir wanderten in Wolken. Nur einmal rissen sie für ein, zwei Minuten auf und zeigten das Panorama, das wir Tag für Tag verpaßten. Sikkim ... where nature smiles. Entweder war es eine elende Plackerei, oder wir harrten tatenlos im Zelt aus, und die Zeit rannte uns davon...“ (S.244)

© MP

„Plötzlich kamen wieder Felsen ins Spiel, und zu unser beider Überraschung waren wir auch schon oben. Wir fühlten uns wie die Nebelkönige. Die Felszinnen und -zacken, die zwischen den Nebelfetzen rund um uns auftauchten, das war unser Reich...“ (S.246)

© Atabek

„Dann der Blick auf die Boote tief unter uns und in die Aral-Wüste hinein, alles lag wie verzaubert in vollendeter Stille. Als die Nacht aufzog, schimmerten die Wracks wie Kunstwerke vor schwarzviolettem Samt, das Gesamttableau ein Ready-made von surrealer Schönheit...“ (S.265)

© Arnulf Rank

„Die Pfeiler trugen kugelförmige Aufsätze von knapp einem Meter Durchmesser, nun fiel der Aufsatz des betroffenen Pfeilers auch noch wie in Zeitlupe auf die Kühlerhaube, und indem er zerbrach, erwies er sich als tönern hohl. Im Nu war das Auto umringt von Dragomanen auf ihren Kamelen...“ (S.267)

© MP

„Um neun Uhr passierten wir die Sicherheitsschleuse am Eingang zum Tadsch Mahal. Als Kind hatte ich ein Puzzle davon besessen, seitdem davon geträumt, es auch einmal mit eigenen Augen zu sehen. Jetzt hatte ich dafür genau zwei Stunden Zeit...“ (S.271)

© Johannes Nawrath

„Weit intensiver erinnert man sich an ... ‚eine Schale mit Mirabellen, die in besagtem Café auf dem Tresen stand; ich war da eher zufällig reingeraten, aber dann schimmerte das Gegenlicht so unglaublich durchs Porzellan der Schüssel, daß die Früchte zu strahlen begannen und ich sie auf der Stelle malen wollte’“ (Johannes Nawrath). (S.305)

© MP

„Incredible !ndia. Denke ich an dieses unbegreifliche Land, das mir von Reise zu Reise nur immer rätselhafter wird, so fällt mir ausgerechnet die Plakatkampagne ein, die 2016 in mehreren Bundesstaaten lief. Sie stand unter dem Slogan „Prohibit Open Defecation / Achieve 100% Sanitation“ und brachte die ganze Absurdität des Subkontinents zum Ausdruck, seine Hoffnung, seine Inkonsequenz, sein Versagen...“ (S.306)

© MP

„Während ich im Oldenburger Land unterwegs war oder auf dem Grünen Band, der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, fragte ich mich, nach was ich eigentlich Ausschau halten sollte, schließlich war mir alles vertraut. So schien es zumindest...“ (S.313)
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Nächster Termin
21/09/2017
18:00 Uhr
Hannover
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