chinesisch Hinter dem Licht und den Dingen (chinesisch)

Hinter dem Licht und den Dingen (chinesisch)81 Gedichte

Translator: Hu Wei

published by Weidu / Unread, Beijing, in spring 2021
158p
65 Yuan
ISBN 9787221160973

Original title: Sämtliche Gedichte 2017-1987 (03/11/2017)published in:
– Hoffmann und Campe, Hamburg
24. April 2018

Buch des Monats von NDR Kulturjournal, NDR Kultur, NDR Info und NDR Online, Juni 2018


Index

Vorwort zur chinesischen Ausgabe
Einführung von Hu Wei

Welch ein Gefunkel
Naturgedichte

April, April
Oktobermißmut
Das Krokuswunder
Die schottische Sekunde
Schlechte Gedichte auf den Süden
Graue Hügel, gelbes Grasland, egal
Nebel
Botswana-Blues
Damals das Glück
Ägyptische Plage (I)
Versuch eines Spaziergangs (Intro)
Was fehlt
Trotzdem
Die Sekunden davor
Die totale Sonnenfinsternis

Komparsen der Stille
Stadtgedichte

Ein gewisser Eichendorff bläst den Blues von der prästabilierten Harmonie
S-Bahnstation mit Sperlingsgezirp
Unsre Stelle
Soundtrack des Frühlings
Hinter dem Licht und den Dingen
Abendgesellschaft
Goldener Oktober
Auf eine, die vorübergeht
Kleine Knabberei am Straßenrand
Touristen
Letzte Nacht
Nicht schön
Leeres Glas
Am Ende bleibt immer der Kellner
Kein Wort über die Scherben tags drauf
Sommernachtstraum

Nie werd’ ich wissen, wie du wirklich heißt
Liebesgedichte

Verschiedene Formen von Liebe soll’s geben
Fast eine Romanze (I)
Fernzauber
Die Umarmung
Sonntagnachmittagserkärung
Ende der Sommerzeit
Frauen. Naja. Schwierig.
Über den richtigen Umgang mit Geliebten (♂)
Die Geliebte
Über den richtigen Umgang mit Liebhabern (♀)
Epigonales Meeresleuchten
Wenn du den Schmerz gibst, schwarzer Engel …
So viel Sonne
Irgendwo auf dieser wundersam weiten Welt
Geteilt haben (I)
Vor allem

Atme tief ein und sieh einfach hin
Lebensgedichte

Was dürfen wir hoffen? Was sollen wir glauben? Was können wir tun?
Klarer Treffer
Die salzige Wahrheit der Tränen
Anhaltende Wehmut bei schönem Wetter
Was dagegen hilft (♂)
Mittel gegen Zerknirschtheit
Warum dreht so einer wie ich bei diesem Sauwetter seine Runden?
Das großgefleckte Glück
Nein! Sag das nicht jetzt
Eine Art Vorhaltung
Beim nächsten Bier wird alles anders
Das Unglück
Was dagegen hilft (♀)
Rondo
Schlußbilanz
Eines noch

Ferner Osten, ganz nah
China, Korea, Japan, Kambodscha, Laos

Bauer im Reisfeld
Ich träumte von meiner Mutter
Kirschblütenfest
Nebel
Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe
Landläufige Leere des Herbstes
Die Liebe im Herbst
Die Raben
Fleißig Tee trinken, das Unauffällige tun, den Dingen näher rücken
Die Liebe im Frühling
Ausgehmeile
Am Ende kommt immer der Kellner
Die heißen Nächte von Phnom Penh
Regenzeit
Das Konzert der Hunde
Morgen am Mekong
Und nebenan wurden Frösche gegrillt

Nacht ohne Gnade

 

 

 

Excerpt

Vorwort für die chinesische Ausgabe

Am 21. September 2018 war ich zu einem Lyrikfestival in Nanjing eingeladen. Jeder der eingeladenen Dichter durfte nur zwei Gedichte vortragen. Ich entschied mich für „Leeres Glas“ und für „Warum dreht so einer wie ich bei diesem Sauwetter seine Runden?“, ein Gedicht übers Laufen, das den regelmäßigen Rhythmus der Schritte eines Dauerläufers im streng getakteten Versmaß darstellt. Es wurde eine der schönsten Lesungen meines Lebens. Die Zuhörer erfaßten den Rhythmus des Gedichts, noch ehe es in chinesischer Übersetzung vorgetragen wurde; viele von ihnen sprachen mich im weiteren Verlauf der Veranstaltung darauf an und rezitierten begeistert – auf deutsch – den ersten Vers: „Laufen, laufen, nichts als laufen …“. Der Sound des Gedichts hatte sich ihnen vermittelt; das verband uns diesen einen Abend lang über alle Sprachbarrieren hinweg.

Damals wohnte ich als Writer-in-residence für zwei Monate in Shanghai. Wenige Tage nach meiner Rückkehr aus Nanjing lud mich Professor Hu Wei für den 17. Oktober zu einem Vortrag über „Naturlyrik, Stadtlyrik, Liebeslyrik, Lebenslyrik“ an die Peking University. Diesmal konnte ich 15 Gedichte lesen, die anschließend in chinesischer Übersetzung zum Vortrag kamen. Und weil die Reaktionen wieder so beflügelnd ausfielen, kam ich auf eine verwegene Idee: Wie wäre es, schlug ich Hu Wei gleich nach der Veranstaltung vor, wenn wir es damit nicht etwa bewenden ließen, sondern, im Gegenteil, die Gelegenheit ergriffen, weitere Gedichte zu übersetzen und daraus ein ganzes Buch zu machen?

Ich muß dazu sagen, daß ich Hu Wei schon ein bißchen kannte, sonst hätte ich mich nicht getraut, sie so direkt zu fragen. Bis 2006 hatte sie ihre Dissertation in München geschrieben und war dabei von Professor Wolfgang Frühwald betreut worden – ebendemselben Frühwald, dessen Assistent ich einige Jahre zuvor gewesen war. Normalerweise wären wir uns nie begegnet, doch Frühwalds ehemalige Doktoranden treffen sich jeden Sommer im Biergarten, und bei einem dieser Treffen – es lag schon ein paar Jahre zurück – lernten wir uns kennen, Hu Wei und ich. Tatsächlich sagte sie spontan zu, weitere Gedichte zu übersetzen. Und weil das alles, genau genommen, ohne Wolfgang Frühwald gar nicht zustandegekommen wäre – und weil wir ihn, unseren geistigen Vater, natürlich auch über seinen Tod hinaus weiter in unserem Herzen tragen – ist ihm dieser Band gewidmet.

Ein weiterer Glücksfall war es, daß der Pekinger Verlag Weidu bereits die Lizenz eines meiner Prosa-Bände gekauft hatte, „Schrecklich schön und weit und wild“, ein Buch übers Reisen. Nun kam ein dritter Glücksfall dazu: Kaum zurück aus Shanghai, erhielt ich schon fürs Frühjahr 2019 eine erneute Einladung nach China, diesmal als Writer-in-residence nach Peking. Ich nützte die Monate zu Hause, um eine Auswahl meiner Gedichte zu treffen, und Hu Wei, um sie gemeinsam mit ihren Studenten zu übersetzen. Kaum zurück in Peking, führte mich mein erster Gang, begleitet von Hu Wei, ins Verlagsgebäude von Weidu. Es war der 26.3.2019, und tatsächlich, die Lektorinnen ließen sich von unserer Begeisterung anstecken und nahmen auch die vorliegende Gedichtauswahl unter Vertrag. Wir konnten meinen Aufenthalt in Peking nutzen, um einen Übersetzungs-Workshop in den Räumen des Goethe-Instituts abzuhalten; und natürlich traf ich mich auch noch mal mit „meinem Verlag“, diesmal in einer Kneipe, wir machten bereits Pläne, wie wir die Doppelpremiere meiner Bücher im nächsten Jahr begehen wollten.

Das hat die Corona-Pandemie leider verhindert. Während ich diese Zeilen schreibe, sind die deutschen Grenzen noch immer geschlossen, wer weiß, wann ich das nächste Mal nach China kommen kann. Schade, ich hätte mich gern bei allen Beteiligten persönlich bedankt und mit ihnen gemeinsam gefeiert. Nichtsdestoweniger liegt der Band nun in gedruckter Form vor, und ich hoffe sehr, daß er auch in den Ohren der chinesischen Leser etwas zum Klingen bringt und Gefühle in ihnen anspricht, die wir als Menschen – unabhängig von unseren jeweiligen historischen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen – alle teilen: die Liebe, die Sehnsucht, die Angst vor dem Tod, die Freude an der Natur, den Übermut in Gesellschaft von Freunden … Ist es nicht das, was Gedichte am allerbesten können: über Zeit und Raum hinweg ein Gespräch zwischen Menschen zu vermitteln, die sich wahrscheinlich nie persönlich begegnen werden und doch auf diese Weise viel voneinander erfahren? Und Freud und Leid so sehr miteinander teilen wie mit kaum einem ihrer tatsächlichen Freunde? Jedenfalls schreibe ich Gedichte aus genau dieser Überzeugung heraus. Insbesondere wenn ich irgendwo auf der Welt allein und unglücklich war, tat ich es, und nach erfolgter Niederschrift hatte ich mich immerhin mit einem imaginierten Gesprächspartner ausgetauscht, den ich im künftigen Leser zu finden hoffte. So war ich selbst in der mißlichsten Lage nie wirklich allein – schon dieser bloße Gedanke hat mich immer getröstet und nicht selten beflügelt. Daß Sie, die chinesischen Leser, nun zu meinen „Gesprächspartnern“ dazukommen, ist ein Geschenk, für das ich dankbar bin.

Nur eines noch: Vielleicht fragen Sie sich nach der Lektüre dieses Bandes, warum bei all meinen Reisen so wenige Gedichte über China entstanden sind. Das habe ich mich nämlich auch gerade gefragt. Zum ersten Mal war ich 1985 und inzwischen sechs Mal in China, alles in allem habe ich dort annähernd ein halbes Jahr verbracht. Tatsächlich habe ich darüber einiges geschrieben, aber eben nicht in Gedichtform! Gedichte schreibe ich nur, wie gesagt, wenn ich Kummer habe und niemanden in meiner Nähe, dem ich davon erzählen kann. Sofern ich glücklich bin, schreibe ich keine Gedichte. Offensichtlich war ich in China immer glücklich – das ist die simple und gleichzeitig kostbare Antwort.

MP, Hamburg, 24/5/2020

Blurb

Selection of 81 poems from „Sämtliche Gedichte 2017-1987“

the book on the website of Weidu / Unread

Translator’s CV

Hu Wei studied German literature in China and Germany, she is holding a Ph.D. in philosophy. At present she teaches German literature as a professor at Peking University in Beijing.